Verhältnis von Theorie und Praxis

Das Unbehagen an der derzeitigen ökonomischen Theorie und Praxis führt zur Entwicklung eines vorsorgenden Wirtschaftskonzepts. Das Konzept Vorsorgendes Wirtschaften geht von der grundlegenden Bedeutung versorgungswirtschaftlicher Bereiche für jedes Wirtschaftssystem aus. Vorsorgendes Wirtschaften hinterfragt die einseitige Konzentration der konventionellen ökonomischen Wissenschaft auf erwerbs- und marktwirtschaftliche Prozesse und geht über diese hinaus. Vorsorgendes Wirtschaften versteht Wirtschaften als Einheit von Erwerbs- und Versorgungswirtschaft und als eingebettet in die natürliche Mitwelt und das soziale Leben der Menschen. Eine solche Ökonomie ist Ökonomie im Kontext. Da dieser Kontext durch Beziehungen geprägt ist, werden diese Mensch-Mensch- und Mensch-Natur-Beziehungen zum Ausgangspunkt für die Untersuchung ökonomischer Prozesse.

Vorsorgendes Wirtschaften beansprucht, Wirtschaften unter Einbezug aller Dimensionen des Wirtschaftens und aller Beteiligten zu gestalten. Auf dem Weg dorthin nimmt Vorsorgendes Wirtschaften eine feministisch-ökonomische Perspektive ein. Das soziale Geschlecht (gender) wird als analytische Kategorie in die Ökonomie eingeführt; gängige Geschlechterrollenverteilungen (wie z.B. die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung) in Versorgungs- und Erwerbswirtschaft werden hinterfragt. Dadurch geraten der versorgungswirtschaftliche Alltag des wirtschaftlichen Handelns und die unterlegte Geschlechterordnung unseres Wirtschaftssystems ins Zentrum der theoretischen Überlegungen zum Vorsorgenden Wirtschaften.